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Im politischen Diskurs obsiegt das realistische Denken. Tatsachen zählen, Fakten und was sonst noch für unabänderlich gehalten wird. Die Zukunft und vor allem die Gestaltung dieser Zukunft wird diffamiert. Wer Visionen habe, solle zum Arzt, proklamierte ein in seinen alten Tagen allzu sehr gefeierter und hoch geschätzter Bundeskanzler a.D.
Doch es ist mehr als fraglich, ob Menschen ohne Visionen es je zu einem Lagerfeuer gebracht hätten, um das sie sitzen können, geschweige denn zu modernen Städten mit Elektrizität, Abwasserkanälen und Sanitäreinrichtungen in Wohnungen und Häusern.
Adorno und Horkheimer schrieben bereits vor etwa sieben Jahrzehnten in der Dialektik der Aufklärung:
Die Angst des rechten Sohns moderner Zivilisation, von den Tatsachen abzugehen, die doch bei der Wahrnehmung schon durch die herrschenden Usancen in Wissenschaft, Geschäft und Politik klischeemäßig zugerichtet sind, ist unmittelbar dieselbe wie die Angst vor der gesellschaftlichen Abweichung. Durch jene Usancen wird auch der Begriff von Klarheit in Sprache und Denken definiert, dem Kunst, Literatur und Philosophie heute genügen sollen. Indem er das an den Tatsachen wie den herrschenden Denkformen negativ ansetzende Denken als dunkle Umständlichkeit, am liebsten als landesfremd, tabuiert, hält er den Geist in immer tieferer Blindheit gebannt. Es gehört zum heillosen Zustand, daß auch der ehrlichste Reformer, der in abgegriffener Sprache die Neuerung empfiehlt, durch Übernahme des eingeschliffenen Kategorienapparats und der dahinter stehenden schlechten Philosophie die Macht des Bestehenden verstärkt, die er brechen möchte. Die falsche Klarheit ist nur ein anderer Ausdruck für den Mythos. Er war immer dunkel und einleuchtend zugleich. Seit je hat er durch Vertrautheit und Enthebung von der Arbeit des Begriffs sich ausgewiesen.

Daher gehen wir davon aus, daß Kulturarbeit auch immer Arbeit am Begriff ist, d.h. das gezielte Bemühen darum, die Welt und ihre Phänomene zu begreifen. Nicht selten fängt sie damit an, daß Dinge erst zur Erscheinung und damit auch zur Sprache gebracht werden müssen.

Daher will das Textzentrum ein Ort der Visionen sein, ein Ort der Kulturarbeit mit einem KulturArchiv und einem KulturLabor. Ein Ort der Einheit von Erinnerung, Phantasie und Vernunft.

Mit seiner Romantrilogie brachte Jo Ziegler auch die bunten Kühe ins Textzentrum. Der Autor verwirklicht seine Visionen in Wort und Bild.
Das Textzentrum-Essen wird von den Vereinen Schreibhaus e.V. und Bundesverband Studentische Kulturarbeit (BSK) e.V. gemeinsam getragen und von Uri Bülbül geleitet. Es bietet Raum für Workshops, Lesungen und enthält ein Angebot an gebrauchten, interessanten Büchern, die man zu Flohmarktpreisen kaufen oder gegen andere Bücher tauschen kann.
Ab März 2010 gibt es im Textzentrum den "TextTee". Freitags von 17.00 bis 21.00 Uhr bieten wir kleine Leckereien, Tee, Lesung und Gespräche.  In der Vergangenheit hatten wir zahlreiche PraktikantInnen. Auch in Zukunft wollen wir interessierten Menschen die Gelegenheit bieten, Kulturarbeit aus nächster Nähe kennenzulernen. Es geht um Workshopvorbereitungen, Öffentlichkeitsarbeit, Übung im Verfassen von Artikeln, Presseerklärungen und je nach Wunsch der PraktikantInnen auch literarischen Texten. Unsere PraktikantInnen werden in den Umgang mit Satz- und Layoutprogrammen, digitale Bildbearbeitung und Internetseitenerstellung eingeführt. Die Praktikumsdauer liegt zwischen zwei Wochen und drei Monaten.  Januar 2009 machte Lina Blank, 15 Jahre alt, aus Oldenburg ein Praktikum im Textzentrum-Essen.  Impressionen aus dem Textzentrum.
Ein Blick durch Linas Linse auf das Textzentrum. Und hier ein Bericht von Lina Blank über ihr Praktikum "bei Uri"...

Bewerbungen für ein Praktikum formlos per Email:

uri@schreibhaus.de